Das Leben als verkappter Metalhead
Veröffentlicht von Lyriclova
„Das Leben ist hart“ oh mein GOTT, wie oft hab ich diesen Spruch schon gehört, meistens in Verbindung mir irgenwelchen Schicksalsschlägen im Kollegenkreis… Na und?
Verdammt nochmal, das Leben ist keine entspannte Kutschenfahrt, wo man nach Jahren des relaxten umhergondelns gemütlich aus der Kutsche steigt. Das Leben ist viel mehr ein Höllenritt, am Ende rutscht man quer, blutend, schreiend, und ohne Munition, auf dem Rücken gegen den Bordstein, und schreit, „Verdammt. Was für ein Ritt“ So stelle ich mir mein Leben vor.. naja, so in etwa zumindest…
Angefangen hat alles vor vielen Jahren als mir mein Kumpel damals eine AC/DC Kasette (jaaaa, die uralten dinger mit dem Band drin, da war noch nix mit CD)in die Finger drückte und sagte: „Hör da mal rein, die gehen ab“. Ich also nach Hause gestiefelt, die Kassette ins Tapedeck gestopft und mal die Playtaste gedrückt. “TNT“ das war das erste was meine jungen unschuldigen Ohren hörten, und seit diesem Tag war die Musik nie mehr dasselbe.
Ab dann gings schnell… Von AC/DC gings zu Rage against the Machine, von dort zu Ramones und dann Metallica, und dann kam ein schicksalhafter Tag in der CD-Gallerie in der Rapperswiler Altstadt.
Ich hatte am Abend zuvor eine Folge Rockzone gesehen, auf VHS, (jaaaa auch das gabs damals noch) die ein Kollege (der gleiche wie mit der Kassette) für mich aufgezeichnet hatte…
Eigentlich wollte ich ne Moster Magnet CD kaufen, (Powertrip hatte es mir angetan)aber jung wie ich war kontne ich mir nicht den Bandnamen merken, also hab ich unter S gesucht… Und dann berührten meine suchenden Finger “die eine CD, sie alle zu finden, ins Dunkel zu treiben und auf Ewig”…. Egal, lassen wir das…
Jedenfalls zückte ich eine schlichte silberne CD mit der Silhouette einer Ziege aus dem CD-Regal… SLIPKNOT hmmmmm irgendwie hatte ich das Gefühl diesen Namen schon mal gehört hatte… Also ab zur Kasse und die CD mal anhören… Er gab mir Säule 4, und ich setze die Kopfhörer auf… Der Intro war spooky, „The world that i think is SICK“ der Text wurde nur wiederholt, mit ein wenig Platten-scratching im Hintergrund. Mein Finger war schon auf dem Weg zum Forwardbutton, als der erste Song einsetzte. Mir wurde förmlich jeder Gedanke aus dem Hirn geblasen.
Ersetzt wurde es durch einen Einzigen… “GEIL, SUCHT, MEHR DAVON“
Beeindruckt hat mich vor allem eines, das verreckte geilste Drumming, das ich jemals gehört hatte, Joey Jordison prügelte mit einer technischen Finesse auf die Felle dass mir als “Möchtegern-Drummer“ der Sabber im Mund zusammenlief… Die CD wurde gekauft, ich bin nach Hause gerast (mit dem Fahrrad, das waren noch Zeiten) und in der sturmfreien Bude wurden anschliessend meine Boxen ein paar Wochen bis zur Belastungsgrenze aufgedreht.
Ein paar Wochen später (alle Liedtexte mittlerweile auswendig gelernt) erblickten meine Augen ein weiteres Objekt (diesmal im MANOR) die DISASTERPIECES LIVE Tour-DVD von Slipknot… die DVD wurde sofort gekauft, ohne wenn und aber, und anschliessend ab zum Kollegen (jaaaa wieder der Gleiche).
Praktischerweise hatte dieser ein paar Stunden seine Wohnung für sich alleine, und so stand dem gemeinsamen DVD-Saufabend nichts mehr im weg… Die ersten 2 Bier waren zum anwärmen, anschliessend holte er (mangels Bier) eine Flasche Vodka Gorbatchov aus dem Tiefkühler, und weil Vodka pur irgendwie nicht cool genug war, holte ich noch eine Packung Milch aus dem Kühlschrank (White Russian Billigversion), das es sich dabei um SOJAMILCH handelte, merkten
wir erst beim ersten Shot, und da war die Mischung (80% Vodka, 10% Milch) wohl eher das Problem *gg*
Also DVD eingelegt, und während dem Intro, und der Aufbau/Vorbereitungsphase des Konzerts noch mal n Shot gebastelt… Kaum fiel der Vorhang, hielt uns nichts mehr auf den Sofas, Heavy Headbanging der reinsten Art… Nich son billiges Pogo, good old Headbanging, wie im Bilderbuch. Die Zeitplanung war klar, während der Songs wurde gebangt bis kurz vor dem Exitus, und dazwischen wurden Shotz gekippt… Nach den kompletten 120 Minuten waren wir sturztrunken, benommen, und irgenwie kaputt… Ich habs gerade noch so geregelt bekommen, das Fahrrad nach Hause zu schieben und ins Bett zu klettern (neee nicht weil ich auf dem Boden lag, ich hab ein Hochbett)
“Der Morgen danach“ war echt fürn Arsch, ich konnte meinen Kopf nicht selbstständig heben, geschweige denn aufrecht halten. Daher gestaltete sich die Schule seeehr mühsam, Kater hatte ich zwar keinen (Vodka sei dank) aber der Restalkohol trug nicht unwesentlich dazu bei, das ich alles saulustig fand, egal was gerade passierte.
Mittlerweile ist dieses Gelage mehr als 6(!) Jahre her… Und wenn ich heute so darüber nachdenke, dann wird mir bewusst, was für ein alter Sack ich geworden bin…
Zu der Zeit in der ich in der Sek war, war ich sehr sportlich, 3x die Woche Downhillbiking, und am Weekend feiern. Mittlerweile hab ich eine eigene Wohnung, ein Auto, einen Töff, eine feste Anstellung (dazu später mehr) und eine feste Freundin…. Die ersten drei Punkte sind geil, und so ziemlich genau das, was man als Teenager erreichen will, der vierte Punkt ist okay, schliesslich bekomme ich indirekt Geld dafür, Texte wie diese zu schreiben, und doch wird die Existenz dieser geistigen Ergüsse vermutlich dazu beitragen, dass mein Einkommen sich ändert…
Variante 1: Mein Arbeitgeber hat kein Verständnis für dieses imaginäre Ventil, diesen Motivationsschub am Arbeitsplatz, und wirft mich raus.
Variante 2: Ich finde einen besseren Job, der mich nicht dazu zwingt, mich selbst zu hassen, weil ich zusehends zum Spiesser mutiere, und jegliches Entertainment aus meinem Leben verschwindet.
Variante 3: Ich finde eine Möglichkeit, mit Texten wie diesem Geld zu verdienen, sei es als Berufsblogger, Texter für Werbekampagnen oder Filme, Buchauthor, oder als bezahlter Zeitvertreiber.
Natürlich steht ausser Frage, dass ich die dritte Variante vorziehen würde, jedoch ist Variante 1 am warscheinlichsten und Variante 2 am diplomatischsten.
Es ist nicht so, dass ich nicht gerne hier arbeite, das ist falsch, ich freue mich richtiggehend auf die Leute hier, mit denen ich mich (für meine Verhältnisse) “normal“ unterhalten kann. Und das einige wenige hier meine lyrischen Wortgeflechte gut oder sogar
unterhaltsam finden treibt mich an, bietet mir die Motivation auch die weniger liebsamen Arbeiten so gut wie möglich zu erledigen, um den Zeitpunkt des Jobwechsels so weit wie möglich rauszuszögern.
Aber zurück zum Metal, seit jenen schicksalhaften Ereignissen begleitet mich Metal durch mein ganzes bisheriges Leben, mal begleitet von Nebenerscheinungen wie Hardstyle, HipHop, Trance, und wie sie alle heissen.. Das einzige, was länger als Metal in meinem Musikgedächtnis weilt, ist Jazz. Jazz ist schon länger als Metal meine Leidenschaft, aber nicht so Intensiv… Während Metal mich antreibt, beruhigt, aufregt, runterkommen lässt und irgendwie alle gefühlsstimmungen im Repertoir hat, finde ich Jazz einfach nur gut, nicht mehr, nicht weniger… CD.s vom Rat Pack versetzen mir noch heute eine Gänsehaut, Keith Jarret vermag mich richtiggehend in Trance zu versetzen mit seinem Köln Concert, es ist so ruhig, so gefühlvoll, dass es sogar einem Metalhead wie mir gefällt…
Metal ist für mich ein Lebensgefühl, zu sagen was man denkt, und das nicht per Post auf umwegen, sondern direkt und ehrlich mitten in die Fresse…
Jetzt hast Du, lieber Leser, bis hierhin gelesen, aber dennoch dich nie gewundert, warum der Titel von einem “verkappten Metalhead“ spricht? Das ist ganz einfach, ich wuchs wohlbehütet unter der Fittiche meiner Mutter auf, aber Meine Grosseltern hatten einen riesigen Einfluss auf mich, (z.b. Jazz) und daher mag ich es total, mich edel anzuziehen, ich sehe gerne gut aus…Das problem daran ist, mich kennt jeder auf den Ersten blick nur als normaler Typ, die
einen kennen mich als Surfer, die anderen als Skater, wiederum andere kennen mich als eleganten, klassischen Typen, und die wenigen die übrig bleiben, kenne mich als Metalhead. Ich hab keine „Metal-Klamotten“ (mal abgesehen von nem Schwarzen Rock und den Teenie-Nietenbändern) keine Bandshirts, keine Lederhosen, keine Stiefel, und vor allem hab ich keine schwarzen, Langen Haare… Verdammt, wie ich es hasse… Mit nem dunkelblonden Pseudo-Afro zu bangen ist einfach nicht “true“… Aber ich hab Skaterpullis, Baggiepants, Edle Anzüge mit dazugehörigen Kravatten, Poloshirts aus dem Beachmountain, Shirts von Armani… Irgendwie passt das nicht zusammen…
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