Karma Part 2
Veröffentlicht von Lyriclova
The Quest continues…
„Morgen Abend, Caliban im ABART, kommste mit? Hab Tickets“
Gebannt starre ich auf mein Display, mein Gehirn spielt sämtliche möglichen Variablen durch. Schliesslich kommt die diplomatische Variante zum Zug: „Muss ich zuerst noch mit meinem Bunny abklären, melde mich dann“
Ich bin stolz auf mich, ich habe eine Entscheidung gefällt, die sowohl besagtes Bunny als auch mich selbst zufrieden stellt…
Auf dem Heimweg lege ich mir die besten Argumente parat, was ich sagen könnte, um an das Konzert zu dürfen. Schlussendlich stellt sich aber heraus, dass Bunny nicht damit gerechnet hat das ich heute überhaupt komme, was das Ganze sehr erleichtert…
Am nächsten Tag fiebre ich dem Feierabend entgegen, nach dem Absitzen meiner Arbeitszeit heize ich nach Hause, packe meine Weste (mein Kumpel wollte sie mal sehn) und genügend Flüssignahrung ins Auto, tanke noch voll und ab geht’s nach Zurigo…
Auf der Fahrt nach Zurigo stimme ich mich mit ‘nem Karlskrönchen auf den Abend ein…
In Zurigo angekommen fahre ich zuerst ne Viertelstunde im Kreis, bevor ich merke, dass ich nur 1 Querstrasse vom ABART entfernt bin… Also 2-3 Verkehrsregeln touchiert, und ab auf den Parkplatz.
Ich rolle gerade auf den Platz, da sehe ich von weitem eine mir bekannte Silhouette. Die Fenster heruntergelassen, mit Zakk de la Rocha aus den Boxen kreischend, dem Bier in der Hand steige ich aus dem Auto, und begrüsse meinen Karma-Metalbrother mit Handschlag.
Während ich mit meinem Karma-Radio (anderes Kapitel) die nähere Umgebung beschalle, packe ich meine Weste aus, und präsentiere meinem Brotha meine neueste Errungenschaft. Nach ein paar Minuten neueste News, machen wir uns auf den Weg zum Eingang. Ticks gezückt, Stempel kassiert, reingedrängelt, kurz nachgedacht, wieder raus, die originalen Karma-Lähmungsstühle aus dem Auto gepackt, und ein Tenpack als Fussstütze umfunktioniert…
So sassen wir nun, Bier in der einen, Zigarette in der anderen Hand, der Sound vom Konzert hallt durch die dünne Backstage-Türe und wir fühlen uns wohl…
Nach ein paar Minuten kommen wir zum Schluss, dass der Sound draussen vor der Tür um einiges besser, klarer und „crisper“ ist als drinnen, zumal das Gedränge, der Schweiss und die Dunkelheit drinnen zwar „true“ aber nicht sehr erholsam ist. Und so geniessen wir unser eigenes kleine Openair, mit Karma-Lähmungsstühlen, auf dem Parkplatz vor dem ABART.
Ein Feature das unweigerlich zu unseren Karma-Sessions gehört, ist das „Brain-Branding“ diese Wortkreation beschreibt die Reaktion der Nicht-Lähmer auf unsere Erscheinung. Das Bild von 2 Typen, denen der Rest der Welt scheissegal ist, brennt sich förmlich in die Gehirne der Betrachter, daher das Wort Brain-Branding. Keiner, der diese Combo so gesehen hat, wird sie in naher Zukunft vergessen können.
Während als die Leute um uns herum uns skeptisch passieren, geben wir uns genussvoll die Kante. Als Caliban mit dem Freiluft Soundcheck fertig ist, begeben wir uns nach drinnen. Die Stühle lassen wir stehen, die Vergangenheit hat uns gelehrt, dass, an einem Abend wie diesem, es keiner wagen wird die Stühle auch nur zu bewegen. Und weil’s grad so bequem ist, lassen wir das Halbleere Tenpack auch draussen stehen, wir sind ja keine Unmenschen.
Im Inneren des ABART herrsch schweissige Hitze, nach einem Kurzen Abwägen der Situation begeben wir uns in die Erste Reihe, ready to mosh… Doch ein auftauchendes Durstgefühl bewegt mich dazu erst noch 2 Bier an der Bar holen zu gehen. Gesagt, getan. Mit 2 Bier in der Hand durch die Menge kämpfend komme ich nach 5 mins wieder bei meinem Brother an, der mich mit ner Zigarette fürs Bierholen entlöhnt. Die Band betritt die Bühne. Ich ahne was gleich kommen wird, und trinke mein Bier in schnellen Zügen, ich bin gerade ca. 2/3 durch, da beginnt die Musik, und der Rest des Biers landet auf meinen Klamotten. Naja, shit happenz. Bangen war angesagt… Caliban gab sich ziemlich Mühe, und so stieg der Funfaktor stetig, genauso wie die Pogo-Action zunahm…
Nach 2-3 Tracks (Die Technik war soeben mal wieder ausgefallen) wurde eine „Wall of Death“ angeordnet…
JAAAAA KLAAAAAAAR, in nem Club mit 70 Personen im Moshpit ne Wall of Death, und wovon träumst du nachts?
Nuja, man is ja kein Spielverderber, also schön Platz gemacht, und auf Position gegangen…
3…2…1… GO! Die Metalheads waren zwar ambitioniert, aber irgendwie etwas zaghaft, so schoben wir (mein Bro und ich) die gegnerische Wand bis an die physikalische Wand hinter ihnen… Die darauf folgenden Versuche, uns zu Boden zu pogen, endeten meist im Ansatz…
Nach Ende des Caliban Auftritts, begaben wir uns, sichtlich amüsiert, zurück zu unseren Lähmungsstühlen…
Und siehe da, zwei Mädels hatten sich’s auf den Stühlen bequem gemacht. Als wir uns ihnen näherten sprangen sie Regelrecht in die Senkrechte, doch wir versicherten ihnen dass sie ohne Probleme sitzen bleiben konnten…
Also wieder ein Bier gekrallt „Skål“ und mit Smalltalk angefangen…
Irgendwann, ein paar Biere, und Mädels später hatten wir das Gefühl, die Letzten zu sein, die noch im ABART waren, denn die Türe war verschlossen, die Roadies verstauten die Ausrüstung, und auch wir dachten langsam an den Aufbruch…
Also nichts wie ab zu den Autos, mit Vollgas zum Haupteingang, und die Fenster runtergefahren…
Unter massiver „Rage against the Maschine“ Beschallung einzupacken gibt einem ein riiiiiiichtich gutes Gefühl…
Dass der CALIBAN Sänger auf dem Weg zum Tourbus noch ein Kompliment zu unserer Beschallung abgab war das i-Tüpfelchen auf einem gelungenen Karma-Event…
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